WAS IST SCHON ERFOLG?

Einfach, oder? Erfolg ist, wenn ich ein Rennen oder einen Titel gewinne, eine neue Bestzeit erreiche, einen hochdotierten Auftrag bei meiner Arbeit erhalte, eine sehr gute Note im Studium erreiche, usw.. Stimmt irgendwie. Aber greift das nicht zu kurz? In meinen Augen ist Erfolg sehr individuell und kann sich auf verschiedenste Art und Weise zeigen, und eben nicht nur in den nackten Zahlen und Fakten. Und wenn wir schonmal dabei sind, was bedeutet eigentlich Misserfolg? Ist Misserfolg einfach das Gegenteil von Erfolg, oder das Ausbleiben dessen? Ich habe mir auf der Heimfahrt vom letzten Wettkampflauf der Alb Gold Winterlaufserie Gedanken darüber gemacht. Wie soll ich meine Wettkampfleistung einordnen? Ich bin bei dem 10km-Lauf 6. geworden, mit deutlichem Rückstand aufs Podium und auf die Jungs, mit denen ich sonst auf gleicher Höhe konkurriere. Dazu bin ich auch noch – als bis zum letzten Lauf Führender der Gesamtwertung – auf den 3. Platz zurückgefallen.

War das also alles ein deutlicher Misserfolg? Ehrlicherweise hat es sich schon auch ein wenig danach angefühlt, als ich bereits nach 1,5km abreißen lassen musste und mir klar war, dass ich am heutigen Tage nicht annährend konkurrenzfähig sein werde. Tat schon weh und hat sich auch beschissen angefühlt.

Aber Misserfolg? Nein, das war es überhaupt nicht. Die fleißigen Leser:innen unter euch wissen ja, dass mein Februar trainingsmäßig eher bescheiden war. Anfang Februar noch in einer sehr guten Frühform, musste ich eine 12-tägige Sportpause einlegen. Warum, kann gerne nochmal im Blog „Road to Roth #2“ nachgelesen werden.

Danach dann eine Woche Training, 3. Lauf der Winterlaufserie absolviert und mich da bereits etwas kraftlos gefühlt, kam was ich gerne vermeiden hätte wollen. Ich habe mich erkältet. Die nächsten zwei Wochen waren geprägt von Halsschmerzen, Schnupfen und Husten und an vernünftiges Training war wirklich nicht zu denken. Leider hat es sich dann auch ziemlich hingezogen und ich bin mehr oder weniger einen Tag vor dem Winterlauffinale so gesund geworden, dass ich das Gefühl hatte, ich kann am nächsten Tag am Start stehen. Aber mit welchen Erwartungen? Und mit welcher Aussicht auf Erfolg?

Erfolg ist das, was wir als Erfolg definieren

Ich möchte an dieser Stelle gerne einen Satz aus meinem letzten Blogbeitrag zitieren:

„Im nächsten Blog berichte ich hoffentlich wieder davon, wie viel Spaß mir das             Sporttreiben bereitet.“

Wenn ich mir diesen Satz so durchlese, denke ich anders über Erfolg nach. Mein Ziel vor vier Wochen war es, wieder Spaß daran zu haben, dass ich mich bewegen kann und gesund bin. Und dieses Ziel hatte ich auch während der krankheitsbedingt eingeschränkten letzten zwei Trainingswochen. Einfach wieder Spaß an dem haben, was ich täglich mache und was mich schon so lange in meinem Leben begleitet. Aus dieser Perspektive war der heutige Wettkampftag ein recht erfolgreicher in meinen Augen. Ich fühle mich endlich wieder (fast) gesund, ich kann den Sport ausüben, den ich liebe und mich mit anderen Sportbegeisterten darum duellieren, wer am schnellsten von A nach B kommt (oder im Falle des Winterlauffinales von A nach A). Erfolg ist also nicht nur an Zahlen, Fakten, Platzierungen oder sonst etwas zu messen, sondern in erster Linie ist es das, was wir für uns selbst als Erfolg definieren.

Klar, es gibt Bereiche im Leben, da wird uns von außen vorgegeben, was wir erreichen müssen und was erfolgreiches Handeln ist. Aber das hindert uns ja nicht daran, unsere ganz eigene Definition von Erfolg zu haben. Ich sehe die letzten Tage und Wochen keinesfalls als Misserfolg, auch wenn ich de facto sportlich gesehen in einer schlechteren Form bin als vor fünf Wochen. Ich habe es nämlich so ziemlich zum ersten Mal in meinem Sportlerleben geschafft, vernünftig zu sein und das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Ich habe mich bewusst für eine kleine Haut-OP am Rücken entschieden, obwohl ich dadurch eine Sportpause einlegen musste und ich habe während der Erkältung bewusst das Training stark dosiert, um den Körper nicht noch mehr zu stressen. Alles mit dem großen Ziel vor Augen, dass es im Juli in Roth zählt und eben nicht im März in Trochtelfingen auf der schwäbischen Alb.

Langfristig > kurzfristig

Ich kann also gut damit leben, dass aufgrund meiner Entscheidungen der kurzfristige „Erfolg“ somit ausblieb, mein langfristiges Ziel, ein erfolgreiches Abschneiden bei der Langdistanz in Roth, aber nach wie vor vollständig intakt ist. Vielleicht ist dieses Ziel ja sogar mit größerer Wahrscheinlichkeit erreichbar, als wenn ich in den letzten Wochen ohne Rücksicht durchgezogen hätte.

Wie eingangs beschrieben, Erfolg ist das, was wir selbst als Erfolg sehen 😉. Im nächsten Blog nehme ich mir vor zu berichten, wie ich persönlich mit Rückschlägen (jeglicher Art) umgehe. Falls ihr selber Themen habt, die ihr mal in einem der nächsten Blogbeiträge beleuchtet haben möchtet, dann meldet euch gerne bei mir.

In diesem Sinne, macht’s gut und bis zum nächsten Blog,
Euer Luca

Hinterlasse einen Kommentar