WAS NUN?
„Im nächsten Blog nehme ich mir vor zu berichten, wie ich persönlich mit Rückschlägen (jeglicher Art) umgehe.“
Um ehrlich zu sein, als ich für den letzten Blogbeitrag diese Worte geschrieben habe, hätte ich nicht gedacht, dass sie mir mehr oder weniger unmittelbar um die Ohren fliegen werden. In meinem letzten Beitrag (Was ist schon Erfolg?) habe ich noch von dem abschließenden Lauf einer Winterlaufserie berichtet, an der ich in den ersten Monaten dieses Jahres teilgenommen habe. Um genau zu sein, hatte ich den Beitrag am Samstagabend, den 09. März, geschrieben. Dass ich mir zu dem Zeitpunkt vermutlich schon die Achillessehne angerissen hatte, hab ich nicht kommen sehen. Aber der Reihe nach.
Die fleißigen Leser:innen unter euch wissen bereits, dass meine letzten Wochen nicht ideal verliefen. Wobei, eigentlich liefen sie ziemlich beschissen aus sportlicher Sicht. Anfang Februar in wirklich guter Form unterwegs, waren die Wochen danach geprägt von einer 12-tägigen Sportpause (Road to Roth #2), eine Woche Training, eine Woche erkältungsbedingte Trainingseinschränkung, zwei Tage Training (inkl. 10km-Wettkampf). Wir ihr seht, ein Auf und Ab. Und gerade an dem Tag, als ich mich endlich wieder gesund gefühlt habe, kamen wohl ein paar unglückliche Umstände auf einmal zusammen, was schlussendlich in einem kleinen Einriss der Achillessehne endete. Am Sonntag nach besagtem 10km-Wettkampflauf (10. März) hatte ich ehrlicherweise kaum Schmerzen, sodass ich mich noch zu einem etwas längeren Dauerlauf überreden ließ. Leider kam danach die Quittung und am Montag war nicht nur die Achillessehne geschwollen, sondern das normale Gehen auch sehr schmerzvoll. Ich gehe davon aus, dass sich einige bei den folgenden Worten ertappt fühlen, wenn ich schreibe, dass ich es zuerst nicht wahrhaben wollte und mir dachte, dass es mit ein wenig Pause schon wieder besser wird. Naja, ging nicht ganz auf.
DER REALITÄT INS AUGE BLICKEN
Die Woche nach dem erstmaligen Auftreten der Schmerzen war geprägt von viel Schwimmen, Laufpause, schmerzhaftem Gehen und dem sich Einreden, dass es bestimmt nur eine Reizung ist. Aber nach einer Woche ohne Besserung musste auch ich einsehen, dass ein Besuch in der Sportmedizin vermutlich angebracht sei. Gesagt, getan und zu Beginn der Woche dann der Realität ins Auge blicken müssen: Ja, es ist ein kleiner Achillessehnenanriss! Ich gebe zu, die Tage danach waren mental ziemlich hart für mich. Nicht nur, weil eine Verletzung immer blöd ist, sondern auch, weil ich mein sportliches Jahreshighlight (ihr wisst ja, Langdistanz Challenge Roth) akut in Gefahr sah. Vielmehr noch, ich hatte das Gefühl, dass ich meinen Körper im Stich gelassen habe. Ich bekam die Quittung dafür, dass ich meinem Körper in den letzten Wochen zu viel zugemutet habe. Gar nicht mal nur sportlich, sondern insgesamt betrachtet waren die letzten Wochen sehr stressig und ich habe es nicht geschafft, ausreichend Zeit und Raum für Regeneration und Erholung zu ermöglichen. Punkt! Diese Einsicht ist fast genauso schmerzhaft wie die körperlichen Symptome.

ABER JETZT WIRKLICH – WAS NUN?
Fast schon ironischerweise habe ich einen Tag nach der Diagnose „Achillessehnenanriss“ einen Workshop zum Thema „sportpsychologisches Verletzungsmanagement“ mit aktuell verletzten Nachwuchsleistungssportlern durchgeführt. Tatsächlich hat mir die Vorbereitung und Durchführung dieses Workshops geholfen, meine eigene Verletzung anzunehmen und wieder nach vorne zu schauen. Im Rahmen des Workshops habe ich den Nachwuchsathleten das vermittelt, was ich in meinen sportpsychologischen Coachings generell gerne vermittle, nämlich Handlungsorientierung:
- Was hilft mir aktuell, um aus der Situation die richtigen Schlüsse zu ziehen?
- Wie kann ich zukünftig noch besser vorbeugen?
- Welche konkreten Gedanken und Handlungen sind notwendig, um meinem Ziel wieder näherzukommen?
Mittlerweile fühle ich mich der Verletzung nicht mehr hilflos ausgesetzt, sondern bin davon überzeugt, dass ich das Verletzungsgeschehen selbst beeinflussen kann und eine gewisse Kontrolle und Mitverantwortlichkeit besitze. Ich bin aktuell dabei zu reflektieren, woran ich in den nächsten Wochen aktiv arbeiten und wie ich den Trainingsplan sinnvoll strukturieren kann. Comeback stronger klingt abgedroschen, ich weiß, doch es ist wirklich mein Ziel, stärker zurückzukommen, als ich es vor der Verletzung war.
Ich hoffe, dass ich bald wieder über positivere Themen berichten werde. Aber so ist das nun mal. Im Leben gibt es Hochs und Tiefs und es kommt darauf an, aus den Tiefs die richtigen Schlüsse zu ziehen. Falls ihr vielleicht in einer ähnlichen Verletzungssituation seid wie ich oder einfach mehr über meinen Umgang damit erfahren möchtet, dann fühlt euch frei, mir zu schreiben.
In diesem Sinne, macht’s gut, bleibt gesund und bis zum nächsten Blog,
Euer Luca
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