Über Vereinbarkeit von Beruf, Privatleben und Sport
Es ist Sonntagnachmittag und ich sitze recht müde am Schreibtisch, eine 4-stündige Radeinheit in den Beinen und eine anspruchsvolle Arbeitswoche in den Knochen. Es hat einen guten Grund, weshalb es in den letzten Wochen nicht viel von mir zu lesen gab. Und der Grund nennt sich Leben.
Vor allem in letzter Zeit fällt es mir nämlich zusehends schwerer, all meine Lebensbereiche unter einen Hut zu bekommen. Und dabei muss ich ja sagen, dass ich in einer äußerst privilegierten Situation bin. Beruflich bin ich ziemlich flexibel unterwegs und kann mir meine Arbeitszeit fast vollkommen selbstständig einteilen. Ich habe keine Kinder, für die ich Verantwortung trage und ich übe einen Sport aus, in dem ich komplett unabhängig mein Training steuern kann und ich mich maximal mit ein paar Teamkollegen absprechen muss. Das ist überhaupt kein Vergleich zu Familienmüttern & -vätern, die neben der Kindeserziehung auch noch Berufe mit festen Arbeitszeiten ausüben. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das ist und ziehe an dieser Stelle vor allen Menschen den Hut, die es schaffen, Familie, Beruf und Hobby zu vereinbaren. Und trotzdem sitze ich nun hier, tippe am Sonntagnachmittag ein paar Zeilen für diesen Blogbeitrag, plane danach die kommende Arbeitswoche, hüpfe anschließend noch ins Hallenbad und will abends noch mit meinem Bruder telefonieren – womit wir wieder bei der Vereinbarkeit von Beruf, Privatleben und Sport wären. Die Recherche zu meinem letzten Newsletter zum Thema Burnout hat mich dabei recht nachdenklich gestimmt. Immerhin gilt Erschöpfung häufig als ein erstes Symptom für Burnout, insbesondere dann, wenn nach der Anstrengung keine Erholung erfolgt und lange unter Erschöpfung weitergearbeitet wird. Wer jetzt aufschreckt, dem kann ich gleich begegnen, dass ich weit entfernt bin von einem Burnout. Meine Arbeit macht mir weiterhin sehr viel Spaß und ich komme auch zu Erholungsphasen, aber ich merke einfach, wie groß die Herausforderung ist, gute Leistungen im Beruf zu erbringen, sehr ambitioniert und mit großen Zielen seinen Sport zu betreiben und dann auch noch Zeit für Familie und Freunde einzuräumen. Und ich bin mir sicher, damit bin ich nicht allein.
Umgang mit herausfordernden Phasen
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie am besten mit solch anstrengenden Phasen umzugehen ist. Mir persönlich hilft in letzter Zeit enorm, dass ich mir aktiv und bewusst Pausenzeiten am Tag einräume, in denen ich einfach mal einen Kaffee trinke und alles andere kurz sein lasse. Dadurch bin ich in den Zeiten zwischen diesen kurzen Pausen deutlich produktiver. Außerdem versuche ich stets, mir Zeit für Sport einzuräumen. Wenn der Wecker morgens um 5:30 Uhr fürs Frühschwimmen klingelt, bin ich zwar selten begeistert, aber eines ist immer gewiss: Nach dem Sport geht es mir immer besser als davor! Und wenn ich morgens lieber etwas länger schlafen möchte, dann beginne ich eben meinen Feierabend mit einer Trainingseinheit, die mir hilft, den Kopf freizubekommen und ein Stück weit auch abzuschalten. Wenn der Feierabend dann auch noch in bester Gesellschaft mit Teamkolleg:innen (und/oder Freund:innen) eingeläutet wird, umso besser. Ein weiterer Griff in die mentale „Trickkiste“ ist definitiv für mich das Setzen von Zwischenzielen. Das große berufliche Ziel (Abschluss meiner Promotion) liegt noch relativ weit in der Zukunft (vermutlich gegen Ende des Jahres), was es für mich schwerer macht, bis dahin die Anstrengungsbereitschaft auf einem konstant hohen Level zu halten. Deshalb setze ich mir motivierende Zwischenziele. Beispielsweise steht das erste Etappenziel mit dem Abschluss meiner Sportpsychologieausbildung Mitte Mai kurz bevor, sodass ich mich in den nächsten 2 Wochen nochmal voll darauf konzentrieren kann. Ist dieses Ziel erreicht, gibt mir das ein gutes Gefühl, etwas geschafft zu haben und gleichzeitig schafft es auch wieder ein Stück weit Flexibilität für neue Aufgaben. Das nächste Zwischenziel ist dann eher sportlicher Natur und ist mit der Challenge Roth auf Anfang Juli terminiert. Diese Ausrichtung auf zeitlich nicht allzu weit entfernte Zwischenziele hilft mir, mich immer wieder neu zu motivieren, zu strukturieren und mental widerstandsfähiger zu sein, als wenn ich ein Ziel anstrebe, das noch sehr weit entfernt ist und zum aktuellen Zeitpunkt noch als sehr große Herausforderung daherkommt.

Die Frage nach Unterstützung
Im Beruf habe ich erlebt, dass nach Hilfe und Unterstützung bei Arbeitskolleg:innen zu fragen, überhaupt keine Schande ist. Vielmehr sogar, ich habe erlebt, dass es sehr fruchtvoll sein kann, die eigenen Sorgen und Bedenken auch im beruflichen Kontext zu offenbaren. Zumindest in meinem Arbeitsumfeld treffe ich auf viel Verständnis, wenn ich mitteile, dass ich für eine Aufgabe auch mal einen Tag länger brauche. Und ganz nebenbei können so Arbeitskolleg:innen sogar zu Freund:innen werden, die auch mal ein offenes Ohr und Ratschläge für persönliche Themen haben.
Das ist wirklich eine wertvolle Erfahrung, die ich mit euch teilen möchte. Denn auch in der Familie wird einem niemand den Kopf abreißen, wenn man abends mal nicht mehr telefonieren kann oder möchte und wahre Freund:innen unterstützen uns in unseren Vorhaben, auch wenn das bedeutet, dass man sich nur selten sieht. Was aber nicht bedeutet, dass diese raren Treffen weniger gut sind. Vielmehr erlebe ich es als deutlich erfüllender, wenn man dann doch mal Zeit füreinander hat. Und da reicht auch einfach mal ein Käffchen in der Stadt oder eine Runde FaceTime mit den Geschwistern, um Blödsinn zu labern und sich wieder auf den aktuellen Stand zu bringen.
Damit soll es das für heute auch gewesen sein. Fühlt euch frei, mir zu schreiben, wenn ihr in einer ähnlichen Situation aktuell seid oder auch einfach eure Erfahrungen zu dem Thema mit mir teilen wollt.
In diesem Sinne, macht’s gut, lasst das Leben einfach mal Leben sein und bis zum nächsten Blog,
Euer Luca
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