Highlight des Jahres – Teil I
In sieben Tagen ist es so weit. Das größte sportliche Highlight meines bisherigen Sportlerlebens, auf welches ich nun seit zwei Jahren hingearbeitet habe, steht an: Mein Langdistanzdebüt bei der Challenge Roth. Mitte letzter Woche hatte mein Trainingsbuddy zu mir gesagt: „Das Training ist quasi abgeschlossen. Im Zweifel ist ab jetzt weniger mehr“. Da wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, wie nah das Rennen schon ist.
Es fällt mir auch aktuell etwas schwer, meine Gedanken zu sortieren und niederzuschreiben, denn die letzten Wochen und Monate haben einer wahren Achterbahnfahrt geglichen. Der Start ins Jahr hätte sportlich kaum besser laufen können. Im Rahmen des HHT-Silvestercamps konnte ich zu Jahresbeginn eine super Grundlage schaffen, die mit sehr guten Trainings- und Wettkampfleistungen bereits im Januar und Februar erste Früchte trug. Was folgte, war ein harter Rückschlag: kleine Rücken-OP, hartnäckige Erkältung, Achillessehnenanriss. Was so vielversprechend begann, führte Mitte März zu einem emotionalen Tiefpunkt. Ich war enttäuscht über meinen Körper und mich selbst und konnte es nicht verstehen, warum ich es wieder einmal nicht geschafft habe, ohne Verletzung durchzukommen. Es hat ein wenig gebraucht, bis ich den Blick wieder nach vorne richten konnte. Ab April war dann aber das Motto, mich darauf zu konzentrieren, was ich kann und nicht, was ich nicht kann. Als ich Anfang Mai wieder ins Lauftraining einsteigen konnte und Ende Mai einen überraschend erfolgreichen Triathlonwettkampf bestritt, waren die Hoffnungen wieder groß und ich ging in die finalen sechs Wochen vor Roth.
Wer jetzt denkt, dass ab da alles reibungslos lief, irrt sich. Die vergangenen drei Wochen waren nämlich ein Abbild des gesamten Jahres: viel Training, wieder aufgetretene Achillessehnenprobleme, reduzierter Laufumfang, Zweifel, Ängste, Hoffnung, fester Glaube an ein Happy End. Und jetzt? Mittlerweile befinde ich mich in der Rennwoche, die Achillessehne fühlt sich einigermaßen stabil an, ich versuche, mich so gut es geht zu erholen und habe richtig Bock auf das Rennen. Und was wohl am wichtigsten ist: Ich habe viel Vertrauen in meine Leistungsstärke.
Was wenn der Leistungsdruck etwas zu viel
wird?

In letzter Zeit habe ich mir allerdings auch immer mal wieder die Frage gestellt, warum ich das alles mache? Denn eines ist auch klar, mein Leben besteht nicht nur aus Training. In erster Linie sind da noch meine Arbeit und Promotion, wo ich vorankommen möchte und wo ein weiteres Highlight kurz nach Roth für mich ansteht (dazu mehr im nächsten Blog: Highlight des Jahres – Teil II). Meine Familie sieht mich seit Monaten fast nur noch über FaceTime und in den letzten Wochen habe ich viele Einladungen von Freunden nicht wahrnehmen können, da es zeitlich einfach nicht ging. Und wenn ich es dann doch irgendwie möglich gemacht habe, so wie am vergangenen Wochenende, als ich beim Junggesellenabschied meines besten Kumpels dabei war, schwang ständig die Angst mit, danach krank zu werden.
So ist es nun mal, das Leben als ambitionierter Sportler. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es Profisportler:innen ergehen muss, die viel mehr Druck haben als ich, da sie mit ihrem Sport ihren Lebensunterhalt verdienen müssen. Doch auch ich habe in letzter Zeit vermehrt Druck verspürt, in Roth unbedingt performen zu „müssen“. Denn wenn ich keine gute Leistung bringe oder mein Ziel nicht erreiche, ist das alles umsonst gewesen – zumindest dachte ich das hin und wieder mal. Dieser ganze Verzicht muss sich doch auszahlen. Meine Familie, Freunde und Arbeitskolleg:innen haben viel Rücksicht auf mich genommen in den vergangenen Wochen und am Renntag kommen sehr viele Menschen nur für mich nach Roth, um mich an der Strecke anzufeuern. Bin ich da nicht quasi verpflichtet, eine gute Leistung zu bringen? Und was, wenn es mies läuft? Dann enttäusche ich doch alle, die so viel für mich aufgenommen haben und sicherlich auch Erwartungen an mich haben beim Wettkampf. Ja, all diese Gedanken gingen mir in letzter Zeit durch den Kopf. Kein Wunder also, dass ich einen gewissen Druck verspüre, unbedingt Leistung bringen zu müssen.
Was mir geholfen hat, mit diesen Gedanken umzugehen?
Das und was es mit dem zweiten Jahreshighlight auf sich hat, bleibt für diesen Blog noch offen… Teil II folgt in Kürze. Jetzt muss ich nämlich noch eine Runde Radfahren. Auch wenn das Training quasi abgeschlossen ist, in Bewegung bleibe ich natürlich dennoch. 😉
In diesem Sinne, macht’s gut und bis zum nächsten Blog,
Euer Luca
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