HIGHLIGHT#2

Roth hier, Innsbruck da

Die letzten zwei Wochen waren ziemlich aufregend, ereignisreich, wunderbar, aber auch sehr kräftezehrend. Nach meinem sportlichen Jahreshighlight am 07.07. bei meinem Langdistanzdebüt bei der Challenge Roth (siehe Road to Roth #7) blieb leider keine Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten und das Erreichte zu genießen. Zum einen, da ich körperlich doch ziemlich zerstört war, und zum anderen, da die Woche danach vollgepackt war mit Verpflichtungen und Terminen im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Tübingen. Dazu kam, dass ja bereits mein zweites Highlight in diesem Jahr (gleichbedeutend mit meiner bisher größten akademischen Herausforderung) vor der Türe stand. 

Auf der europäischen Sportpsychologie-Konferenz (FEPSAC) in Innsbruck erhielt ich die Möglichkeit, vor einer Vielzahl an sportpsychologischen Expert:innen aus der Wissenschaft und Praxis zwei Vorträge über Forschungsergebnisse meiner Promotion zu halten. Ich gebe zu, ich war nervös. Einerseits, da ich aufgrund der letzten sehr arbeitsreichen Wochen und Monate nicht viel Vorbereitungszeit hatte. Andererseits, da es meine erste internationale Wissenschaftskonferenz war und ich erstmals vor einem so großen Fachpublikum Forschungsergebnisse präsentierte. Druck war also definitiv zu spüren. Gut, dass das Thema der Konferenz „Performance under pressure“ war, sodass ich mir aus erster Hand nützliche und hilfreiche Tipps abholen und aktuelle Erkenntnisse rund um das Thema „Leistungsdruck“ aufsaugen konnte.

Auf Einladung von dänischem Professor

Gleich zu Beginn der Woche war der Druck direkt am höchsten, da die Konferenz für mich mit einem Vortrag im Rahmen eines Symposiums losging. Dies war für mich nicht nur irgendein Symposium, sondern vielmehr hatte ich das Gefühl, dass ich mich direkt beweisen müsse. Denn mein Vortrag fand quasi auf Einladung im Rahmen eines Symposiums mit einem dänischen Professor statt, auf dessen Forschung meine Promotion basiert. Ich musste also direkt abliefern. „Begünstigend“ kam hinzu, dass der Konferenzraum aus allen Nähten platzte und ich mich ehrlicherweise bei Vorträgen in englischer Sprache nicht ganz so stabil und sicher fühle.

Was mich dabei immer wieder fasziniert, ist das Phänomen, dass wenn dann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem man vorne steht und alle Augen auf einen gerichtet sind, man in einen Modus schaltet, in dem nicht mehr übers Scheitern, Missgeschicke oder negative Konsequenzen nachgedacht wird, sondern man vielmehr ganz in dem Moment ist und sich voll auf das konzentriert, was jetzt gerade wichtig ist. So geht es mir zumindest in solchen Situationen. Auch ich stottere dann hin und wieder rum oder bringe es nicht immer ganz auf den Punkt, aber ich lasse mich nicht davon beeinflussen. Auch dann nicht, wenn die Dinge ohne Vorwarnung anders laufen als geplant. So wie bei meinem zweiten Vortrag am letzten Tag der FEPSAC, welcher nicht minder druckbehaftet war. Einerseits, da auch bei diesem Symposium der Raum so voll war, dass Leute auf dem Boden saßen und andererseits, da ich einer von vier Vortragenden war, wobei die anderen drei amerikanische und britische Post-Docs (also Wissenschaftler:innen mit bereits abgeschlossener Promotion) waren. Sie beherrschten nicht nur die Sprache viel besser als ich und konnten eloquenter vortragen, sondern auch viel erfahrener und selbstsicherer auf solchen Konferenzen auftreten. Nun ja, ich stand also in diesem Konferenzraum vor dem Pulk mit einem Bildschirm, worauf meine Präsentationsfolien abgebildet waren. Als ich dann anfing, mich und mein Thema vorzustellen, war noch alles gut. Als ich dann jedoch auf Folie 2 feststellen musste, dass es sich nicht um einen Touchscreen handelte und ich meine (für mich sehr wichtigen) Notizen nicht einsehen konnte, ging der Puls mal kurz durch die Decke. Ooookay, gut. Situation annehmen und weiter. Grundsätzlich wusste ich ja, was ich ungefähr sagen möchte. Dennoch war auch ich dann wie alle Zuhörenden im Raum selber gespannt, was in den nächsten gut 10 Minuten wirklich passieren wird. Long story short, es lief gut. Vielleicht gerade weil ich keine Notizen hatte und mich deshalb ganz darauf konzentrieren musste, was ich weiß und was ich vermitteln möchte.

Selbstbewusstsein ist überbewertet

Eine Message ist mir zum Ende der Konferenz dann auch nachhaltig in Erinnerung geblieben. In der abschließenden Keynote betonte Kristoffer Henriksen, dänischer Professor und herausragender Sportpsychologe, eindrücklich, dass in seinen Augen Selbstbewusstsein überbewertet wird und dass Mut das ist, was es wirklich braucht. Es geht nicht darum, immer und überall das größte Selbstvertrauen zu haben. Vielmehr ist es entscheidend, mutig zu sein und sich an Handlungen heranzutrauen, auch wenn der Ausgang ungewiss ist. Denn Mut wird am Ende immer belohnt – in welcher Form das auch sein mag.

In diesem Sinne, macht’s gut, seid mutig und bis zum nächsten Blog,
Euer Luca

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