QUO VADIS?

Die Zeit nach dem großen Ziel

Ich gebe zu, ich weiß nicht so recht, wie ich diesen Blogbeitrag beginnen soll. Die letzten Wochen waren ja etwas ruhiger, was vielerlei Gründe hatte. Einerseits weil ich in den Wochen nach meinen beiden Jahreshighlights (Langdistanzdebüt in Roth, FEPSAC Konferenz in Innsbruck) beruflich ziemlich eingespannt war und andererseits, weil im August auch mal ein paar Tage Urlaub notwendig waren, um mich von den Strapazen und Herausforderungen der letzten Wochen und Monate zu erholen.

Seither ist jedoch einiges passiert, sodass es mal wieder Zeit für einen Blogbeitrag war. Was war geschehen? Unmittelbar nach meinem Langdistanzdebüt in Roth habe ich mich leider erkältet. Da jedoch mein akademisches Jahreshighlight mit einer internationalen Sportpsychologie-Konferenz in Innsbruck vor der Tür stand, wollte ich weiter durchziehen. Vielleicht kennt das ja der eine oder die andere von euch, dass man in anstrengenden Phasen richtig durchpowert und dann nach der Zielerreichung (z. B. sportlicher Wettkampf, Prüfungsphase an der Uni, etc.) erstmal schön flach liegt. So ähnlich erging es mir nach Roth, jedoch konnte ich nicht flach liegen, da ich ja noch die Konferenz vor der Brust hatte. Sprich, auch da habe ich nochmal alle Kräfte mobilisiert, sodass die Erkältung nie so richtig stark ausbrach. Allerdings trägt eine Konferenz auch nicht gerade zur Erholung bei, denn man ist von morgens bis abends kognitiv gefordert. Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe dieses Gefühl des „nicht wirklich fit, aber auch nicht so richtig krank sein“ gute drei Wochen mit mir rumgetragen. Nichtsdestotrotz war ich durch den erfolgreichen Wettkampf in Roth schon auch noch im Flow, weshalb ich nach überstandener Erkältung sportlich weiter durchgezogen habe. 

Streng nach Oli Kahn: Weiter, immer weiter

Für die restlichen Wochen bis zur Saisonpause im Oktober hatte ich ja noch coole Wettkämpfe geplant. Und da wollte ich auch richtig gut sein und an die bisherigen erfolgreichen Wettkämpfe in dieser Saison anknüpfen. Im Nachgang stelle ich fest, dass ich dadurch verdrängt habe, dass ich körperlich noch nicht dazu bereit war, direkt wieder loszulegen. Denn die Langdistanz und Erkältung danach gingen nicht spurlos an mir vorbei. Erschwerend kam hinzu, dass ich auch noch eine schmerzvolle Reizung der Plantarsehne in der Ferse aus dem abschließenden Marathon in Roth mitgenommen habe. Und dennoch zog ich im Training nochmal an, denn der nächste Wettkampf stand mit dem Allgäu Triathlon Mitte August schon wieder vor der Türe, plus zwei Laufwettkämpfe im September, die mir viel bedeuten – der Tübinger Erbelauf (mein Heimatrennen) sowie der Berlin Marathon (mein erster reiner Marathon). Ich habe also ein Stück weit die Schmerzen und Blessuren ignoriert und habe weitertrainiert, auch wenn ich parallel zum Training viel dafür getan habe, dass keine größeren Verletzungen entstehen (u. a. Physiotherapie, Athletiktraining, gezielt eingesetztes Lauftraining). Ich „musste“ ja nochmal etwas draufsetzen, wenn ich eine Chance auf gute Leistungen haben wollte.

Ihr könnt euch vermutlich bereits denken, was das Ergebnis war. Ich habe es zwar geschafft, in den drei Wochen vor dem Allgäu Triathlon wieder in einen guten Trainingsrhythmus zu finden und konnte mich mental gut auf den Wettkampf fokussieren. Allerdings habe ich bei diesem Wettkampf den Preis dafür gezahlt, dass ich nicht ausreichend auf meinen Körper gehört habe. Diese schmerzhafte Erfahrung erfuhr ich bereits wenige Tage vor dem Wettkampf, als beim letzten Vorbereitungslauf meine Wade komplett verkrampfte und durch die anschließende Fehlbelastung beim nach Hause laufen das Knie des anderen Beines auch noch anfing zu schmerzen. Ideale Voraussetzungen vier Tage vor dem Wettkampf. Dennoch habe ich es durch viel Ruhe und Physiotherapie geschafft, an der Startlinie zu stehen.

Foto: Thomas Hauser

Das war an dem Tag jedoch nicht genug, um wirklich performen zu können. Besagter Wettkampf war von vorhinein schwierig für mich, da die äußeren Bedingungen (Dauerregen, Windböen, kühle Temperaturen) nicht gerade meine Lieblingsbedingungen sind. Als dann auch bereits beim Schwimmausstieg meine Wade wieder verkrampfte, war mir klar, heute geht es nur ums Ankommen. Deshalb bin ich auch vergleichsweise „ruhig“ Rad gefahren, um bei den regennassen Bedingungen keinen Sturz zu riskieren. Und auch den abschließenden Halbmarathon bin ich in Trainingslaufschuhen zu Ende „gejoggt“, um die Wade möglichst viel zu schonen, keine größere Verletzung zu riskieren und es überhaupt ins Ziel zu schaffen. Das Ziel erreichte ich zwar, aber die Folgen des „immer weiter durchziehen“ spürte ich bereits unmittelbar im Ziel. Nicht jedoch, wie ich dachte, in Form von stärkeren Wadenschmerzen, sondern in Form von starken Knieschmerzen. Vermutlich habe ich während des Laufes durch die Wadenprobleme das andere Bein fehlbelastet, ähnlich wie beim Vorbereitungslauf paar Tage zuvor.

Zeit zur Erholung

Ich entschloss mich nach dem Allgäu Triathlon, eine einwöchige Lauf- und Radpause einzulegen, damit sich Wade und Knie erholen konnten. Dies gelang einigermaßen… oder eher scheinbar. Denn der erste Lauf nach dieser Pause endete bereits nach 2km und starken Knieschmerzen. Dies war für mich dann auch verbunden mit der Entscheidung, meine Saison frühzeitig zu beenden und meine Starts beim Heimrennen in Tübingen und beim Berlin Marathon abzusagen. Eine harte, aber dennoch vollkommen richtige Entscheidung für mich. Ich möchte nun wieder mehr auf meinen Körper hören und auf ihn achten, nachdem ich ihn in den letzten Wochen doch schon ziemlich gefordert hatte. Da ab Oktober auch eine persönliche/berufliche Veränderung ansteht (mehr dazu demnächst), erscheint die jetzige körperliche und mentale Erholung im September genau richtig, damit ich fit und gesund in den neuen Lebensabschnitt sowie die neue Saison starten kann.

Saisonpause = Zeit zur Selbstreflektion

In den Tagen nach meiner Entscheidung, die Saison frühzeitig zu beenden, bin ich bereits viel in die Selbstreflektion gegangen und dabei ist mir eine Aussage von Marathonlegende Eliud Kipchoge nach seinem verletzungsbedingten Ausscheiden beim olympischen Marathon in Paris nicht aus dem Kopf gegangen:

Failure must come in so that you can realize successes.

Denn rückblickend auf meine Saison kann ich jetzt schon sagen, dass es für mich persönlich ein sehr bedeutsamer Erfolg war, es nicht nur an die Startlinie meiner ersten Langdistanz geschafft, sondern diese auch mit einer wirklich starken Leistung ins Ziel gebracht zu haben. Das wurde mir jetzt erst wieder bewusst, als ich über die schwierige verletzungsbedingte Vorbereitung und über die nicht einfache (da ebenfalls verletzungsbedingte) Zeit danach nachdachte. Mir wurde auch wieder bewusst, dass im Sport der Körper unser größtes Kapital ist und ich diesen Verletzungskreislauf endlich durchbrechen will.

Ich denke, dieser Selbstreflektionsprozess ist einen eigenen Blogbeitrag wert, deshalb belasse ich es hier erstmal mit dieser kleinen Rückschau auf meine vergangenen Wochen. Aber keine Sorge, der nächste Blogbeitrag lässt nicht lange auf sich warten. 😉

In diesem Sinne, macht’s gut und trefft Entscheidungen zum Wohle eurer Gesundheit,
Euer Luca

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