Die 3 W’s – Was? Wie? Warum?

„Ich kann euch allen nur ans Herz legen, euch auch hin und wieder die Zeit zur Selbstreflexion zu nehmen. Dieses „Innehalten, Nachdenken und Schlüsse daraus ziehen“ kann echt befreiend wirken, indem Vergangenes abgeschlossen und hinter sich gelassen wird. Und gleichzeitig gibt es Motivation, zukünftige Projekte anzupacken und von vornhinein in die richtige Richtung zu lenken.“

Das waren die abschließenden Worte des letzten Blogeintrags und seither ist wahrlich viel passiert. Sportlich gesehen gar nicht mal so viel, da ich mich noch immer in einer Phase der körperlichen Genesung befinde. Zugegeben, ich habe im August, als ich beschloss, meine Saison frühzeitig zu beenden und mich ganz der Rehabilitation zu widmen, nicht damit gerechnet, dass ich Ende des Jahres immer noch nicht beschwerdefrei bin. Aber so ist es und ich habe akzeptiert, dass der Prozess länger andauert als gedacht. Ich möchte jetzt aber gar nicht weit ausholen, denn ich glaube, dass der Umgang mit diesen sportlich herausfordernden letzten Wochen einen eigenen Blogbeitrag verdient. Neben dem Sport war nämlich auch sonst einiges los in den vergangenen drei Monaten.

Neuer Job, neuer Lebensalltag

Insbesondere der Start eines neuen Jobs und der damit verbundene Umzug sorgten dafür, dass ich mich an einen neuen Lebensalltag mit neuen Aufgaben anpassen musste. Seit Oktober darf ich nämlich mein sportpsychologisches Wissen im Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg anwenden. Die letzten drei Monate waren dabei sehr arbeitsintensiv und gespickt mit vielen neuen Erfahrungen, wodurch ich mich als Sportpsychologe seither täglich weiterentwickeln konnte. Insbesondere lerne ich seither nicht nur viel über den Umgang mit jungen, heranwachsenden, ambitionierten Menschen, sondern auch immer mehr über mich selbst.

In letzter Zeit hat sich dabei für mich ein besonderer Dreiklang herauskristallisiert, den ich heute gerne mit euch teilen möchte. Eigentlich dreht sich der heutige Blogbeitrag nur um drei Fragen bzw. um drei Wörter: Was, Wie, Warum? Es sind nur drei Fragen, die wir uns darüber hinaus im Leben auch schon so häufig gestellt haben. Doch vor allem in letzter Zeit und durch die vielen Gespräche, die ich in den letzten Wochen geführt habe, habe ich erst die Bedeutsamkeit dieser Fragen erkannt. Ich glaube, dass vieles in unserem Leben im Kern auf die Beantwortung der Fragen a) was wir erreichen wollen, b) wie wir unsere Vorstellungen in die Tat umsetzen wollen und c) warum wir eigentlich diese Wünsche haben, zurückgeführt werden kann. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die Auseinandersetzung damit nicht nur bei mir, sondern auch bei euch dafür sorgen kann, dass in manchen Entscheidungen und Zielsetzungen mehr Klarheit entsteht. Dann legen wir mal los…

Was?

Die erste Frage ist vermutlich die einfachste: Was möchte ich? Was ist mein Ziel? Was will ich ändern an der aktuellen Situation? Dabei ist es egal, ob es sich um etwas Berufliches, Privates oder um den Leistungssport handelt. Auch wenn es scheinbar einfach klingt, diese Frage zu beantworten, so ist sie doch von großer Bedeutung, da die Beantwortung der Frage die Richtung vorgibt. Bin ich unzufrieden im Beruf, stelle ich mir die Frage, was ich ändern möchte, damit sich diese Unzufriedenheit legt. Setze ich mir eine neue sportliche Herausforderung, lege ich erstmal fest, was denn überhaupt mein neues Ziel ist (in meinem Fall war es das Langdistanzdebüt im Triathlon in diesem Jahr). Und auch im Privatleben sollten wir uns immer mal wieder die Frage stellen, was wir in unserem Leben wirklich wollen, was uns wirklich glücklich macht. Haben wir eine Antwort auf diese Frage, ist das jedoch lediglich der erste Schritt. Ich habe zwar dadurch ein Ziel vor Augen, wie ich dieses erreiche, weiß ich dadurch allerdings noch nicht.

Wie?

Die zweite Frage, die wir uns deshalb stets stellen sollten, lautet: Wie kann ich mein Ziel erreichen? Wie kann ich die aktuelle Situation aktiv verändern? Wie kann ich Einfluss nehmen? Ich erlebe häufig, dass Menschen zwar ihre aktuell unbefriedigende Situation ändern wollen, jedoch gar nicht darüber nachdenken oder keine Antwort darauf haben, wie sie überhaupt eine Veränderung hervorrufen können. Deshalb frage ich im Rahmen meiner sportpsychologischen Tätigkeit auch immer nach, wie denn das neu festgelegte Ziel erreicht werden soll. Nicht selten erfolgt dann erstmal Stille und danach entweder ein Achselzucken oder ein „Weiß ich gerade auch nicht so genau.“ Geben wir uns jedoch die Zeit, darüber nachzudenken, kommen nach und nach auch Ideen auf – manche werden direkt wieder verworfen und andere haben das Potenzial, weitergedacht zu werden. So habe auch ich mir die Frage gestellt, wie ich denn mein Langdistanzdebüt erfolgreich gestalten kann. Ich habe dadurch festgelegt, wie ich das umfangreiche Training in den Alltag integrieren kann, welche zusätzlichen Handlungen es benötigt (z. B. in ein professionelles Bikefitting zu investieren, um aerodynamischer auf dem Triathlonrad zu sitzen) und wie die Trainingsgestaltung auszusehen hat, damit ich punktuell topfit am Start stehe. Fairerweise war der Achillessehnenanriss nicht einkalkuliert, aber das ist ein anderes Thema (siehe auch: BLOG – Road to Roth #3). Beziehungsweise gar nicht mal so anders, denn auch hier war ich irgendwann an einem Punkt, an dem ich darüber nachdenken musste, wie ich nun mit der Situation umgehen möchte und wie ich aktiv darauf Einfluss nehmen kann, trotz der Verletzung mein Ziel zu erreichen.

Warum?

Haben wir uns ausgiebig damit auseinandergesetzt, wie wir unser Ziel erreichen bzw. unsere aktuelle Situation aktiv verändern können, gibt es noch eine weitere Frage zu klären. Und diese Frage ist vermutlich sogar die wichtigste von allen: Warum möchte ich dieses Ziel überhaupt erreichen? Warum möchte ich etwas an meiner aktuellen Lebenssituation (oder beruflichen Situation) verändern? Diese Frage ist deshalb so essenziell, da sie uns ermöglicht, dem Ursprung unseres Ziel- oder Veränderungswunsches auf den Grund zu gehen. In meinem Fall war die Antwort auf die Frage schnell klar: Ich hatte 2018 nach meinem ersten Triathlon überhaupt (damals eine Sprintdistanz) einen 6-Jahres-Plan bis zur Langdistanz entworfen und hatte das Gefühl, dass ich 2024 so weit war, eine Langdistanz auf gutem Niveau ins Ziel zu bringen. Außerdem war es, seit ich Triathlon betreibe, mein großer Wunsch, dass ich mein Langdistanzdebüt bei der Challenge Roth gebe. Da es sich um das Mekka des Langdistanztriathlons handelt und ich die Jahre zuvor stets stundenlang vor dem Fernseher saß und das Rennen verfolgt habe, gab es für mich nur diese eine Option. Und schließlich möchte ich im Sport meine Grenzen erweitern, ich möchte das maximal Mögliche aus mir rausholen und ich habe das Gefühl, dass der Langdistanztriathlon dafür genau die richtige Sportart für mich ist. Ich bin der Überzeugung, dass die Antwort auf die Warum-Frage von entscheidender Bedeutung ist, denn sie hilft uns, einen Sinn in dem zu finden, was wir tun. Es ist der Kern unseres Handelns, das, wofür wir stehen (wollen) und was uns von innen heraus motiviert.

Ich verzichte nun bewusst darauf, andere Beispiele zu geben, wie die drei W-Fragen beantwortet werden können, da die Beantwortung sehr individuell ist.

Ein (sport)psychologisches Coaching könnte bspw. genau mit diesen drei Fragen beginnen. Daraus ergäben sich dann die weiteren Maßnahmen und Themen, die man gemeinsam Schritt für Schritt erarbeiten würde.

Jede und jeder von uns hat persönliche Antworten auf diese Fragen und selbst bei gleichen Zielvorstellungen können die Antworten komplett unterschiedlich sein. Und das ist ja auch das Schöne daran. 😉 Abschließend kann ich euch nur ermutigen, euch selbst mit dem Was, Wie und Warum auseinanderzusetzen. Ja, es wird Zeit brauchen, Antworten zu finden. Aber sind diese erst einmal gefunden, ist der weitere Weg klarer gezeichnet als zuvor.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg beim Herausfinden der eigenen drei W’s und einen schönen Jahresausklang. Bis zum nächsten Blog (im neuen Jahr),

Euer Luca

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