L wie Langdistanz #6

Blog oder Block?

Die Sonne Teneriffas liegt bereits drei Wochen hinter mir. Was neben all den tollen Erlebnissen (siehe Blog #5) bleibt, ist nach wie vor eine ganz passable Form auf dem Rad. Für’s Laufen gilt das leider (noch) nicht. In vier Wochen, am 6. April, steht der Halbmarathon in Freiburg an. Zusammen mit meinem Kumpel wollte ich die Sub 1:20h angehen -> gemeinsame neue Bestzeit. Die angestrebte Zeit ist mittlerweile so weit entfernt wie Teneriffa von zu Hause. Aber wir sprechen uns dazu nach dem 6. April noch einmal. Ich bin immer noch optimistisch, dass ich mich an dem Tag selbst überraschen kann. Warum? Weil stetiges, verletzungsfreies Training zwangsläufig zu einer guten Form führt.

Wer den ein oder anderen Blog von mir bereits gelesen hat, weiß, dass ich mich dazu entschieden habe, mein Training blockweise zu gestalten. Das hat viele Vorteile, aber auch ein paar Nachteile. An meinem eigenen Beispiel werde ich das im Folgenden näher erläutern.

Die Vor- und Nachteile von Blocktraining

Meine Freundin hat mich neulich gefragt, in welcher Disziplin ich mich momentan am sichersten fühle. Nach kurzer Überlegung musste ich schmunzeln und zugeben, dass es das Schwimmen ist. Warum ich schmunzeln musste, kannst du in Blog #4 nochmal nachlesen. Oder kurz gesagt: „Er kann doch gar nicht schwimmen“. Nun ist es aber so, dass ich nach einem vorbereitenden Kraftblock im Gym, einen Schwimmblock im Winter eingelegt habe. Über vier Wochen habe ich jeweils vier Schwimmeinheiten pro Woche absolviert. Diese Kombination hat mir (für meine Verhältnisse) einen richtigen Boost im Wasser gegeben, den ich ohne einen expliziten Block so niemals hinbekommen hätte. Ich habe es seitdem auch geschafft, weiterhin regelmässig zu schwimmen. Sprich, Schwimmen ist die Disziplin, in die ich momentan am meisten investiert habe. Im Ausdauertraining sagt man gerne: Man bekommt genau das raus, was man investiert hat.

50m Pool unter der Sonne Teneriffas

Training ist komplexer als das, aber als einfache Faustregel innerhalb der Disziplin kann man sagen:

  • 2 Trainingseinheiten/Woche = formerhaltendes Training
  • 3 Trainingseinheiten/Woche = langsames, formaufbauendes Training
  • 4+ Trainingseinheiten/Woche = potenziell schnelleres, formaufbauendes Training

Wie bei jedem Training ist auch hier die Mischung aus Intensität, Umfang und Erholung wichtig, um Verletzungen vorzubeugen und einen stetigen Anstieg deines Leistungsvermögens zu erzielen.

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Das gleiche Prinzip wie während des Schwimmblocks habe ich in den Folgewochen – mit dem großen Finale auf Teneriffa – auch auf dem Rad angewandt. Hier habe ich es bereits auf ein Level gebracht, das meiner damaligen Ironman-Form aus 2021 entspricht. Was Schwimmen und Radfahren betrifft, bin ich also sehr zufrieden mit meinem aktuellen Status Quo.

Vorteile Bocktraining

Allgemein lässt sich über Blocktraining sagen, dass es dir die Möglichkeit gibt, dich sehr schnell in eine sehr ansehnliche Form zu bringen. Durch die Konzentration auf eine Disziplin hast du die Möglichkeit, ein paar (technische) Schwächen auszubessern, gerade bei Sportarten wie dem Schwimmen. Auch kannst du deine Stärken schnell weiter ausbauen, wenn du die richtigen Reize setzt. Es besteht die Chance, dass du schneller auf ein Niveau kommst, für das du zeitlich gesehen sonst länger hättest trainieren müssen. Zudem gibst du deinem Körper durch die durchaus sehr intensiven Reize auch Anpassung für die weiteren Disziplinen mit. Um am Beispiel Schwimmen zu bleiben: Du wirst sicherlich deine allgemeine Sauerstoffaufnahme-Kapazität verbessern, was dir bspw. auch fürs Laufen oder Radfahren viele Vorteile bringt.

Nachteile Blocktraining

Blocktraining ist sehr intensiv und daher auch sehr verletzungsanfällig, wenn du es übertreibst. Je nach körperlicher Grundvoraussetzung und Fitnessstand bist du eventuell nicht in der Lage, drei oder mehr Einheiten in einer Disziplin pro Woche über einen bestimmten Zeitraum zu absolvieren, ohne dich zu verletzen. Ob Blocktraining für dich Sinn ergibt, musst du für dich gut abwägen. Denk immer dran: Viele Wege führen nach Rom! Am Ende ist das Training am besten, das am besten zu dir und deinen Lebensumständen passt.

Des Weiteren – das muss ich auch gerade erfahren – ist man nach einem Block sehr euphorisch und hat ein tolles Leistungsvermögen schnell aufgebaut. Aber das verschwindet auch relativ schnell wieder, wenn du es in der Folgezeit nicht schaffst, konsistent weiter daran zu arbeiten. Vermutlich wirst du es mit Blocktraining auch nicht schaffen, die Form in der einzelnen Disziplin nach dem expliziten Block dann noch weiter zu steigern. Es geht vielmehr darum, das antrainierte Niveau so gut es geht zu erhalten und mit den nächsten Blöcken auch die anderen Disziplinen auf ein sehr gutes Niveau zu heben. Eine Verletzung oder irgendein längerer Trainingsunterbruch wirkt sich beim Blocktraining vermutlich negativer aus, als es bei anderen Methoden der Fall wäre.

Fazit

Im Triathlon, innerhalb dessen du drei Disziplinen optimieren möchtest und die Vor- und Nachteile eines Blocktrainings für dich gut abschätzen kannst, ist das auf jeden Fall eine sinnvolle Methode, die dich erfolgreich ans Ziel bringen kann. Blocktraining ist aber mit Vorsicht anzuwenden und empfehle ich nur, wenn du dich und deinen Körper entweder sehr gut kennst und einschätzen kannst oder du es mit einem Trainer zusammen angehst.

Und was ist jetzt mit dem Halbmarathon?

Eingangs habe ich gesagt, dass stetiges, verletzungsfreies Training zwangsläufig zu einer guten Form führt. In den letzten 16 Wochen hatte ich nur eine Woche, in der ich es nicht auf elf oder mehr Stunden Training geschafft habe. Das war an Weihnachten. Die Vorteile des Blocktrainings eingepreist, sollte ich genug Kapazität in mir tragen, um mit weiteren vier Wochen Blocktraining „Laufen“ am 6. April doch noch eine sehr ordentliche Zeit auf die 21km präsentieren zu können. Wie schnell diese Zeit dann sein wird, da lassen wir uns gemeinsam überraschen.

Am Ende zählt es auch nicht am 6. April, sondern nach wie vor am 29. Juni beim Ironman in Frankfurt. Und da sehe ich mich den abschließenden Marathon gerade eher laufen, als einen schnellen Halbmarathon in vier Wochen. Meiner lang antrainierten Grundlagenausdauer sei Dank. 😉

Bis zum nächsten Blog(ck)!
Liebe Grüße,
Fabian

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