Lange ist es her seit meines letzten Blogbeitrags. In der Zwischenzeit hat euch Fabian ausführlich mitgenommen auf seinem Weg zur Langdistanz in Frankfurt. Nun wird es aber auch mal wieder Zeit, ein wenig von meinem aktuellen Stand zu berichten. Was ist in den vergangenen Monaten geschehen? Und wie geht es weiter?
Manchmal finde ich es erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht. Das Jahr ist mittlerweile schon 3 Monate alt und in der Zeitrechnung (m)einer Triathlonsaison befinden wir uns bereits beim Ende der ersten Saisonhälfte. Sprich eigentlich würde es nun in die heißere Trainingsphase gehen und die ersten wichtigeren Wettkämpfe stünden auch bald an. Ihr lest es aber bereits heraus, ganz schön viel Konjunktiv. Vor kurzem habe ich nämlich den Entschluss gefasst, alle sportlichen Ziele für dieses Jahr über Bord zu schmeißen und mich ganz dem Ziel zu widmen, meine Promotion in den kommenden Monaten abzuschließen. Soll heißen, die sportlichen Ziele sind hinter die akademischen Ziele gerückt – für dieses Jahr. Um diese Entscheidung zu verstehen, müssen wir ein bisschen weiter zurückschauen.
Tanz auf vielen Hochzeiten
Promotion, Uni-Job, neuer Job, Selbstständigkeit, Leistungssport – oder anders gesagt: ganz schön viele Hochzeiten, auf denen ich getanzt habe und immer noch tanze. Das letzte Jahr war ganz schön herausfordernd. Es hatte viele tolle Momente für mich parat gehabt, ich habe viel gelernt und habe Entscheidungen getroffen, die mein Leben kurz-, mittel- und langfristig beeinflusst haben und beeinflussen werden. Auf der anderen Seite waren da aber auch die ständigen Verletzungssorgen, andauernder Stress, (zu) wenig Schlaf und hin und wieder auch die Frage an mich selbst, ob ich dieses hohe Pensum in allen Lebensbereichen noch länger aufrechterhalten kann und möchte. Ehrlicherweise möchte ich das irgendwie schon, da mir all das große Freude bereitet, sei es der Leistungssport, die Arbeit als Sportpsychologe im Nachwuchsleistungszentrum des SC Freiburg, die Arbeit als selbstständiger Sportpsychologe für COMP(L)ETE., das wissenschaftliche Arbeiten und auch die Arbeit an der Uni. Aber zur ganzen Wahrheit zählt auch, dass es manchmal zu viel des Guten sein kann. Und ich habe gespürt, dass ich etwas ändern sollte, um auch weiterhin Freude an allem haben zu können und vor allem auch um stets genug Energie dafür zu haben.

Ein Schritt zurück, zwei Schritte vor
Warum also die Entscheidung, in diesem Jahr den Leistungssport hintenanzustellen?
Als ich vor ein paar Wochen ins neue Jahr gestartet bin, war ich noch davon überzeugt, weiterhin an meinen sportlichen Zielen festzuhalten. Diese Ziele waren nicht nur auf einige Frühjahrswettkämpfe ausgelegt, sondern insbesondere darauf, mich für die Triathlon Mitteldistanz WM zu qualifizieren und im November in Marbella bei eben dieser an den Start zu gehen. So der Plan und ich war auch fest entschlossen, daran zu arbeiten, denn eine WM-Teilnahme in Spanien im November klang für mich äußerst attraktiv und vor allem auch realistisch.
Es gab jedoch auch einen Haken: Anfang des Jahres war ich nämlich bereits seit über 4 Monaten raus aus dem Lauftraining und hatte leider immer noch diverse körperliche Probleme (Achillessehne, Ferse, Knie), die mich nicht mal von einem schmerzfreien Lauftraining träumen ließen. Um wirklich eine ernsthafte Chance auf eine WM-Quali zu haben, hätte ich zu dem damaligen Zeitpunkt körperlich viel weiter sein müssen. Auch hätte das Training deutlich intensiver und spezifischer gestaltet sein müssen. Das Risiko einer erneuten Verletzung war mir jedoch zu groß und so ist Anfang des Jahres in mir die Erkenntnis gereift, dass ich mich von dem inneren Leistungsdruck befreien möchte, damit der Sport nicht zum zusätzlichen Stressor wird. Denn neben der körperlichen Anstrengungen im täglichen Training ist solch eine Vorbereitung auf ein großes sportliches Ziel auch mental eine Herausforderung. Der tägliche Fokus aufs Training, darauf, die richtigen Trainingsbereiche zu treffen, auch mal richtig harte Einheiten zu absolvieren, die einen ans Limit bringen, zu überlegen, wie zwei Trainingseinheiten in einen normalen Arbeitstag gepackt werden können, Woche für Woche… All das hat letztes Jahr sehr gut funktioniert in Vorbereitung auf die Challenge Roth. Aber es hat eben auch viele Körner gekostet und ich habe körperlich den Preis gezahlt.
Das andere große Ziel
In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass ich das für dieses Jahr nicht mehr möchte. Ich möchte nicht schon wieder mehrgleisig fahren und hoffen, dass Körper und Kopf das irgendwie aushalten. Vielmehr bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist, meinem Körper so viel Zeit zu geben, wie er braucht, um wieder zu 100% gesund und leistungsbereit zu sein. Und währenddessen konzentriere ich mich auf mein anderes großes Ziel. Ich freue mich darauf, die vielen Jahre wissenschaftlicher Arbeit, die bereits in meiner Promotion stecken, zu einem würdigen Abschluss zu bringen und ich glaube auch, dass mir die erfolgreich abgeschlossene Promotion einen wahren Energiebooster für das kommende Jahr geben wird. Denn eines ist gewiss: Sportlich habe ich noch einiges vor mir. Bei all den kurz- und mittelfristigen Entscheidungen schweift mein Blick nämlich bereits auf große Ziele für das Jahr 2026, welche ich nur erreichen kann, wenn ich topfit und kerngesund bin. Und dafür möchte ich 2025 den Grundstein legen.

Sport ist Leidenschaft
Jetzt wo das geklärt ist, kann ich auch endlich zur zweiten wichtigen Erkenntnis kommen, die ich gerne mit euch teilen möchte. Sport ist nämlich viel mehr für mich als nur Leistungsstreben und Wettkämpfe. Ich hoffe, dass ich auch in diesem Jahr wieder Wettkämpfe bestreiten werde und bin mir sicher, dass ich mich auch weiterhin darüber aufregen werde, wenn die Schwimmzeiten auf 100m mal wieder 1sec langsamer sind, als ich es mir vorstelle. Aber ich habe in letzter Zeit wieder einmal gemerkt, dass Sport für mich mehr ist als das. Es ist meine Leidenschaft und ich liebe es einfach, mich sportlich zu betätigen. Und genau diese Leidenschaft werde ich dieses Jahr voll ausleben. Einfach Schwimmen, Radfahren und Laufen, weil ich es gerne mache. Außerdem erfreue ich mich auch daran, andere Sportarten auszuprobieren. So wie Anfang des Monats, als ich mit meinem guten Kumpel und Trainingsbuddy die Sportart Hyrox ausprobiert habe.

Für all diejenigen, die nichts damit anfangen können: Hyrox ist eine Art hybrider Lauf-Kraftsport-Wettkampf bestehend aus einem Wechsel aus 8x1km Laufen und 8 verschiedene Kraftübungen. Mein Kumpel und ich, zwei drahtige Langstreckenausdauerathleten, im Wettstreit mit Muskelprotzen, deren Oberarme breiter waren als unsere Oberschenkel. Ein herrliches Schauspiel musste das für die Zuschauenden gewesen sein. Unser Start war zwar bis wenige Tage vor dem Wettkampf noch offen, da ich mir nicht sicher war, ob mein Knie die hohe Belastung aushalten würde. Aber es ging zum Glück gut und tatsächlich hat unsere Leistung an dem Tag auch dafür gereicht, direkt auf Anhieb die Hyrox-Schallmauer von unter 1:00h Gesamtzeit zu unterbieten. Eine schöne Randnotiz, die Freude an der Bewegung und die Liebe zum Sport haben an dem Tag jedoch bei Weitem überwogen.
Wie geht es nun weiter?
Bisher habe ich mich in diesem Jahr nur für einen weiteren Wettkampf angemeldet, meinem Heimtriathlon in Tübingen Ende Juli. Ich habe auch fest vor, dort am Start zu stehen und werde versuchen, mit der bestmöglichen Leistungsfähigkeit ins Rennen zu gehen. Bis dahin erfreue ich mich am Sporttreiben und arbeite weiter daran, endlich wieder verletzungs- und schmerzfrei zu sein. Alles ohne den Druck, so schnell wie möglich wieder körperliche Höchstleistungen erreichen zu müssen. Und wie zu Beginn bereits erwähnt, steht da ja noch ein großes Ziel an, welches ich dieses Jahr erreichen möchte.
Für all diejenigen, die es bis hierhin geschafft haben: Danke, dass ihr meinem inneren Monolog so lange gelauscht habt! An manchen Tagen muss man einfach einen Blog schreiben, um seine Gedanken zu sortieren und zu verarbeiten. Und falls nun jemand den tiefen Drang verspürt, mir seine/ihre Gedanken zu dem Thema mitzuteilen, dann fühle dich frei, mir zu schreiben, damit aus dem Monolog eventuell auch ein Dialog wird.
Bis zum nächsten Blog,
Euer Luca
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