L wie Langdistanz #8

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Wenn du meinen letzten Blog (#7 „Auf der Suche nach Leichtigkeit“) ebenfalls gelesen hast, hast du vielleicht noch in Erinnerung, dass sich das Training für mich in letzter Zeit eher etwas beschwerlich angefühlt hat. Die absolute Leichtigkeit lässt nach wie vor noch weiter auf sich warten, ein ordentlicher Trainingsrhythmus ist jedoch wieder zurück. Ich nehme dich in diesem Blog einmal mit, was ich die vergangenen drei Wochen versucht habe umzustellen, damit die Freude am Training wieder vollends einkehrt.

ACT

ACT ist die Abkürzung für Acceptance and Commitment Therapy. Kurz formuliert, handelt es sich bei ACT um eine Verhaltenstherapiemethode, die Menschen dabei helfen soll, belastende Gefühle und Gedanken anzunehmen und werteorientiert zu handeln, anstatt sie zu unterdrücken oder loswerden zu wollen. Dazu gibt es sechs Kernprozesse – einer ist bspw. sich im Hier und Jetzt aufzuhalten und sich bewusst auf den gegenwärtigen Moment einzulassen. Statt im Kopf in der Vergangenheit oder Zukunft zu verweilen bzw. auf Autopilot zu schalten, geht es darum, präsent zu sein und das Hier und Jetzt wahrzunehmen.

Entsprechend habe ich versucht, nicht so viel an spätere Ereignisse am Tag zu denken oder an die noch volle Woche gefüllt mit Terminen und To Dos, sondern mich gedanklich bewusst rausgenommen und mir gesagt: Jetzt ist Training, jetzt ist Arbeit, jetzt ist Family-Time, etc.. So habe ich mir immer wieder bewusst gemacht, in welcher Rolle ich gerade stecke und was meine Aufgabe in dem Moment dabei ist.

Auf mein Training bezogen, hat mir das geholfen, die Trainingseinheit an sich wieder etwas mehr wahrzunehmen. Es hat mir geholfen, sich bewusst zu werden, dass das gerade ein absolutes Privileg ist, was ich Woche für Woche machen darf. Abends einfach so noch „kurz“ 75km mit dem Rad durch die Gegend fahren oder vor dem Brunch mit der Family noch „schnell“ einen 23km Lauf absolvieren – alleine, dass ich aktuell körperlich in der Lage bin, das „einfach so“ zu absolvieren, ist an sich schon eine Leistung, die man für sich selbst schätzen sollte.

Mehr zur Acceptance and Commitment Therapy, deren Anwendung und allen sechs Kernprozessen kannst du auch in Lucas Newsletter dazu nachlesen.

Zeit nehmen

Neben dem psychologischen Ansatz von ACT habe ich die letzten Wochen auch versucht, mir das Frühlingswetter gut zu Nutze zu machen. Abends ist es nun wieder deutlich länger hell, was bedeutet, dass man den Tag auch länger nutzen kann. Zumindest was die Zeit auf dem Fahrrad angeht, wenn man nicht gerne bei Dunkelheit fährt. Ich habe versucht, Trainingszeiten nicht immer noch irgendwo reinzuquetschen, sondern auch mal an einem Tag nicht trainiert. Dafür aber an einem anderen Tag deutlich länger.

Da ich den Antrieb habe, insgesamt noch möglichst viele Trainingsstunden bis Ende Juni zu sammeln, hatte ich auch oftmals das Gefühl, „jetzt“ noch etwas machen zu müssen, auch wenn es die Zeit eigentlich gar nicht zugelassen hat. Das wiederum führt zu unnötigem, innerlichen Stress und am Ende zu weniger Regeneration. Unterm Strich hat das zwar zu mehr Trainingseinheiten geführt, aber nicht unbedingt zu mehr Trainingsstunden. Auch das habe ich die letzten Wochen wieder besser hinbekommen: freie Tage, freie Tage sein zu lassen und an Trainingstagen dafür hier und da noch etwas länger zu trainieren.

Gute Zeiten

Trotz dem in den vergangenen Wochen eher mühsamen Gefühl beim Training, verbessern sich meine Zeiten nach wie vor stetig oder sind zumindest dort, wo ich sie erwarte. Dazu habe ich vergangenes Wochenende mal wieder ein paar Feldtests gemacht und würde sagen, die Fitness stimmt. Wie auch beim letzten Feldtest, habe ich versucht die Werte zu treffen, die ich mir beim Ironman ebenfalls vorstelle. Sprich ich habe mich nach Watt/Puls gerichtet und geschaut, welche Geschwindigkeit dabei am Ende herauskam. Jetzt will ich diese in den verbleibenden zwei Monaten noch auf die ganz lange Distanz bringen. Wenn dich Zahlen dazu interessieren: Eine locker geschwommene 1:49/100m auf die 2km im Becken, 223 Watt NP auf 90km Rad mit knapp 700 Höhenmetern und eine 4:40/km-Laufpace auf 23km mit ebenfalls 300 Höhenmetern (beides bei einem Durchschnittspuls von 152HF) lässt mich nach wie vor zuversichtlich auf ein Finish von 9:XX Stunden Ende Juni auf die doppelte Distanz blicken.

Das gute Gefühl zurückholen

Ich habe das Gefühl, dass ich zu den guten Zeiten auch bald wieder ein gutes Gefühl haben werde. 🙂 Am Ende steht und fällt so eine Ironman-Vorbereitung auch mit dem Spaß, den man daran hat. Wenn der verloren geht, wird es schwer, das ganze Trainingspensum aufrecht zu erhalten. Ein klein bisschen auf und ab gehört zu einer neunmonatigen Vorbereitung vermutlich mit dazu. Am Ende hilft es, sich auch einfach immer wieder bewusst zu werden, dass das hier alles gerade freiwillig passiert und es eigentlich auch völlig sch* egal ist, welche Zeit am Ende im Ziel auf der Zeittafel steht. Alles, was zählen sollte am Ende, ist doch, dass der Weg dorthin mit Spaß und Freude begangen wurde.

Genieß die nun wärmeren und längeren Tage in Bewegung und bis zum nächsten Blog!
Liebe Grüße,
Fabian

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