L wie Langdistanz #9

Blecherner Formvernichter

In meinem ersten Blog hatte ich über meine Zielsetzung zum Ironman Frankfurt geschrieben (#1 „Schauen wir mal was wird“). Unterteilt hatte ich meine Ziele damals in ein Ergebnisziel, ein Leistungsziel und ein Prozessziel. Soweit so gut und auch sinnvoll. Was ich jedoch nicht beachtet hatte, war das Ziel, fit und gesund an der Startlinie zu stehen. Da ich in meinem bisherigen Leben weder verletzt, noch groß krank war (toi toi toi), habe ich diesen Aspekt automatisch als gegeben erachtet. Pustekuchen.

5 Stunden Notaufnahme

Zugegeben klingt der Titel dramatischer als es ist – fünf Stunden habe ich dennoch dort verbracht. Als Verkehrsteilnehmer auf dem normalen Stadtfahrrad hat das mit dem links Abbiegen leider nicht ganz hingehauen, sodass es mich hingehauen hat. Den genauen Tathergang abgekürzt: Fahrrad, Auto, Knall, Boden, Krankenwagen, Gips, Schnittwunde. C’est la vie!

Vorweg, es ist für das, was hätte passieren können, nicht viel passiert. Sowohl die Schnittwunde am Unterschenkel, als auch das gebrochene Kahnbein in der linken Hand verheilen wieder und ich bin auch direkt nach dem Unfall selbst aufgestanden. Bis jedoch alle körperlichen Checks im Krankenhaus erledigt, die Schnittwunde genäht und der Arm vergipst wurden, gingen aber tatsächlich fünf Stunden ins Land.

Schnappschuss aus Langeweile in der Notaufnahme

Was bedeutet das nun für den Ironman?

Im ersten Impuls war mir klar, das war es nun. Die kommenden Wochen wären geprägt gewesen von den entscheidenden Trainingseinheiten. Diese wären in der Theorie wichtig für mein Leistungsziel gewesen, um die Voraussetzungen von einem Finish in 9:XX Stunden zu schaffen. Da diese Trainingseinheiten nun alle wegfallen und somit das Ziel unerreichbar wird, war auch klar, dass ich nicht an den Start gehe. Zumal mir bescheinigt wurde, dass ich nun 6-8 Wochen Gips tragen muss, was bedeutet, dass ich diesen am Tag des Ironmans auch noch tragen werde.

Mit einer Woche Abstand zum Unfall und der ärztlichen Aussage, dass zumindest die Schnittwunde ganz hervorragend verheilt bisher, habe ich einen Start vielleicht doch noch nicht ganz abgeschrieben. Anfang Juni werde ich den nächsten Termin bzgl. des gebrochenen Kahnbeins haben. Sollte sich herausstellen, dass der Gips eventuell doch früher abgenommen werden könnte als üblich und sollte der Bruch wirklich vollständig ausgeheilt sein bis kurz vor dem Ironman, dann schauen wir mal was wird… Wenn auch sicherlich mit angepasster Zielsetzung, nämlich einen schönen, sportlichen Tag zu haben, ohne dabei die Zeit auf der Uhr zu checken.

Ziele müssen bzw. sollten flexibel sein, damit man auf äußere Gegebenheiten reagieren kann. Zu „flexiblen Zielen“ hat Luca einen spannenden Newsletter verfasst.

Hauptsache gesund

Die ein oder andere Frage in die Richtung, wie enttäuscht ich denn nun sei, nicht starten zu können oder so viel Zeit investiert zu haben ohne Ergebnis zu erhalten und ob mich das nun deprimiert, hat mich natürlich bereits ereilt.

Die Antwort auf all diese Fragen ist immer: Hauptsache gesund. Meine Gesundheit lässt voraussichtlich zwar keinen Start zu, aber prinzipiell ist mir nichts Schlimmes passiert. Die Erleichterung darüber übertrifft die Enttäuschung, nicht an den Start gehen zu können, bei weitem.

Klar ist es äußerst ärgerlich für die starke Fitness, die ich mir die letzten sieben Monate antrainiert habe. Allerdings sind die ganzen sportlichen Aktivitäten und die Zeit, die ich die letzten Jahre mit Bewegung verbracht habe, zu einem Lifestyle geworden, der mir richtig Freude bereitet. Von daher wäre ich natürlich gerne in der Lage gewesen, mein Ziel von 9:XX Stunden zu jagen, kann die Situation aber mit einem „Shit happens“ momentan akzeptieren und ganz gut annehmen. Zumal das Leben abseits des Sports auch ganz viele, schöne Ereignisse für mich parat hält.

Die Moral von der Geschicht

Egal in welchem Lebensbereich und egal bei welchem Ziel, die eigene Gesundheit bildet immer das Fundament, damit alles andere überhaupt erst funktionieren kann. Achte auf dich, trage beim Fahrradfahren immer einen Helm, selbst wenn du nur zwei Straßen weiter zum Bäcker fährst und hab Freude an dem, was du tust. 🙂

Bleib gesund, bis bald mal wieder!
Liebe Grüße,
Fabian

P.S.: Ob es noch einen weiteren Blogbeitrag in der Kategorie „L wie Langdistanz“ geben wird, entscheidet der Heilungsverlauf. Lassen wir uns alle gemeinsam überraschen.

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