Keine Erwartungen

Was kann man erwarten, wenn man keine Erwartungen hat?

Nach langer Zeit gibt es mal wieder einen Blogbeitrag von mir und ich freue mich darauf! Warum? Es handelt sich um mein Wettkampfcomeback nach mehr oder weniger 11-monatiger Verletzungspause. Also steigt ein, haltet euch gut fest und schnallt euch an – denn safety first! Safety first ist übrigens auch das Stichwort des weiteren Beitrags.

Meinen letzten Wettkampfbericht gab es von meinem Langdistanzdebüt bei der Challenge Roth Anfang Juli 2024.

Nach der Challenge Roth folgte ein (da körperlich bereits angeschlagen) missglückter Wettkampf im Allgäu wenige Wochen später und eine seither schwierige Zeit – sportlich gesehen. In den letzten 11 Monaten stand Triathlon nicht an erster Stelle und aufgrund körperlicher Herausforderungen war bis zuletzt nicht wirklich an spezifisches Training zu denken. Das heißt nicht, dass ich keinen Sport gemacht habe, sondern vielmehr, dass ich keinem konkreten Trainingsplan gefolgt bin, sondern einfach Schwimmen, Radfahren und Laufen war, wenn es der Alltag einerseits und Körper andererseits zugelassen haben. In den letzten Wochen hat sich jedoch herauskristallisiert, dass ich mich zumindest körperlich wieder stabilisiere. Und dafür habe ich eine Menge investiert. Es hat sehr viel Geduld, Athletiktraining, Orthopädie-, Osteopathie- & Physiotherapie-Termine (und einiges mehr) gebraucht, um aus Bewegung und Sport wieder so etwas wie Training zu machen. Und dieser Weg ist noch lange nicht zu Ende. Anfang Juli war es dann dennoch endlich so weit und ich stand mal wieder an einer Startlinie eines Triathlons.

Bild: Thomas Hauser

Wettkampf 1 – ohne Erwartungen auf Platz 2

Es stand das Finale der Triathlonliga an, in welcher ich für meinen Verein LG Steinlach-Zollern starte. Bei diesem Rennen handelte es sich um eine Olympische Distanz (1,5km Schwimmen – 40km Radfahren – 10km Laufen). Da es mein Wettkampfcomeback nach besagten 11 Monaten war, war ich am Abend vor dem Rennen auch dezent überfordert mit dem Packen der Wettkampftasche. Da ich zudem die ganze Woche über sehr viel zu tun hatte, habe ich mich erst am Vorabend so wirklich mit dem Rennen beschäftigt. Also Tasche packen, schlafen, aufstehen, frühstücken, abfahren. Am Wettkampfort angekommen, war ich überrascht, dass ich nicht wirklich nervös war. Und vor allem hatte ich auch überhaupt keine Erwartungen an mich. Normalerweise trete ich bei derlei Rennen mit dem Ziel an, diese auch zu gewinnen. Ich habe aber dieses Mal weder die Konkurrenten einschätzen können noch meine eigene Leistung. Zumal ich noch mit leichten Wadenproblemen ins Rennen gegangen bin und somit auch nicht sicher war, ob ich das Rennen überhaupt ins Ziel bringen konnte.

Mit welcher Erwartung geht man also in ein Rennen, wenn man keine Erwartungen hat?

Ich habe es einfach auf mich zukommen lassen und als Ziel das schmerzfreie Überqueren der Ziellinie ausgegeben. Und ich glaube, dass genau dieses „keine Erwartungen haben“ mir geholfen hat, das Rennen so zu gestalten, wie ich es getan habe – einfach drauf los. Was überraschend gut funktioniert hat. Ich bin so weit vorne wie noch nie bei einem Ligarennen aus dem Wasser gekommen, konnte erstmals überhaupt in der Führungsgruppe Radfahren und dadurch auch sehr weit vorne ins abschließende Laufen starten. So weit so gut, aber da waren ja noch die Fragezeichen mit der Wade. Also erstmal „locker“ reinstarten und schauen, was passiert. Da die Wade sich dann doch auch dezent bemerkbar machte, musste der Lauf mit etwas angezogener Handbremse erfolgen, wobei am Ende aber trotzdem der 2. Platz heraussprang. Ein erfolgreiches Wettkampfcomeback und das trotz, oder vielleicht sogar aufgrund, keinerlei Erwartungen im Vorhinein.

Wettkampf 2 – Erwartungen? Hauptsache Spaß

Eine Woche später stand dann auch schon der Tübinger Triathlon an. Quasi mein Heimrennen und emotional sehr wichtig für mich. Dieses Mal war mir jedoch klar, dass ich mit meiner aktuellen Form nicht wirklich in den Kampf ums Podium eingreifen werden kann. Aber musste ich das überhaupt? Die Wade war in der Rennwoche und vor allem nach dem Wettkampfcomeback am Schluchsee immer noch recht fest. Und trotzdem hatte das Comeback Lust auf mehr gemacht. Auch wenn die Arbeitswoche wieder recht anspruchsvoll war und ich nicht viel Zeit für Sport hatte, schwirrten plötzlich Gedanken in meinem Kopf herum, die mich mutmaßen ließen, dass es an einem perfekten Tag ja vielleicht doch fürs Podium reichen könnte, oder zumindest für die Top 5. Und gleichzeitig war mir die Platzierung nicht wirklich wichtig. Hauptsache beim Laufen die Handbremse lösen, voll durchziehen können und schmerzfrei ins Ziel kommen – das war das Hauptziel.

Kommen wir zum Wettkampf. Schon der Wettkampfmorgen zeigte, dass es ein anderes Rennen wird als in der Woche zuvor. Ich spürte nämlich morgens eine gute Portion Nervosität. „Geil!“, dachte ich mir. Endlich wieder „Race nerves“, endlich wieder nervöse Anspannung, endlich wieder Kribbeln im Bauch. Am Wettkampfgeschehen angekommen, war es dann wie ein Klassentreffen unter Triathleten. Man kennt sich, lacht miteinander, stellt Rennprognosen auf und wünscht sich viel Erfolg. Genau so wie es sein soll!

8:30 Startschuss und ich in der ersten Reihe ab ins Wasser. Leider merkte ich recht schnell beim Schwimmen, dass es nicht so richtig lief. Es war zwar ok, aber so richtig kam ich nicht in den Schwimmrhythmus. Das nicht ganz so gute Gefühl zeigte sich dann auch beim Wechsel auf das Rad, welchen ich echt vermasselt habe. Und nach wenigen Kilometern auf dem Rad war klar, heute wird es nicht für weit vorne reichen. Die Tagesform war ok, aber nicht gut. Und dann reicht es eben auch nicht aus für den Kampf ums Podium. Was nun? Call it a day?

Die Frage nach der Erwartung

Und damit kommen wir zur Hauptfrage zurück: Welche Erwartungen hatte ich an dieses Rennen? Und welche Erwartungen konnte ich überhaupt haben, obwohl ich eigentlich nichts erwarten konnte?

Bild: Thomas Hauser

Es war tatsächlich ein Einfaches, im Kopf umzuswitchen. Anstatt Platzierungsgedanken ging es von nun an darum, beim abschließenden Lauf so viel Spaß wie möglich zu haben und die Atmosphäre voll aufzusaugen. Und was soll ich sagen? Das Ziel habe ich zu 100% erreicht. Vermutlich konnte ich die Atmosphäre noch nie so intensiv wahrnehmen wie an diesem Tag und vermutlich hatte ich auch noch nie so viel Spaß auf der Laufstrecke eines Triathlons wie an diesem Tag. Mit den Kids an der Strecke abzuklatschen, auf die Anfeuerungsrufe von bekannten Menschen zu reagieren und die Zuschauermassen zu animieren, richtig laut zu werden – all das habe ich extrem genossen und ich bin sehr dankbar für diese besondere Atmosphäre in der Stadt, in der ich 10 Jahre lang gelebt habe und die im Herzen noch immer meine (zweite) Heimat ist.

Am Ende stand Platz 9 zu Buche. Keineswegs schlecht, aber leistungsmäßig auch nicht das, zu was ich zu leisten imstande bin. Aber hey, ich nehme sehr viel Positives mit. Der Körper ist (anscheinend) wieder bereit für intensive Belastungen, die Motivation nach diesem Comeback nach oben geschossen und der Spaßfaktor war selten größer als an diesem Tag in Tübingen.

Ich hoffe, euch hat dieser kleine Wettkampfbericht gefallen und dass es nicht der letzte in diesem Jahr war.

In diesem Sinne, macht’s gut, bleibt gesund und bis zum nächsten Blog,
Euer Luca

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